Facebook Zaehlpixel
0341-355408-12 info@familienfreund.de

Fachkräftesicherung in Nossen: Maßnahmen gegen das Abwerben finden

Fachkräftesicherung in Nossen (c) familienfreund.de

Der Workshop zur Fachkräftesicherung in Nossen fand im historischen Klosterpark Altzella statt. Und auch hier war der Fachkräftemangel im Landkreis Meißen deutlich spürbar. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die Personaldecke schon so dünn, dass auch in Nossen einige der angemeldeten TeilnehmerInnen nicht gekommen sind. Die Runde in Nossen war trotzdem oder gerade eine mit großem Diskussionsbedarf und -potenzial.

Nossen liegt an der Freiberger Mulde und hat als Wirtschaftsstandort eine gute Anbindung an die Autobahn mit dem Autobahnkreuz Nossen sowie an die Bundesstraßen B101 und B175. Als Kleinstadt hat Nossen zwei größere Gewerbegebiete. Die Anbindung an Dresden (31 km östlich), Chemnitz (36 km südwestlich) und Leipzig (73 km nordwestlich) ist für den in Nossen vorhandenen Branchenmix mit Schwerpunkt metallverarbeitende, elektrotechnische und Logistikunternehmen hervorragend. Am Workshop nahmen Unternehmensinhaber aus dem Handwerk, der Landwirtschaft und der Industrie – auch aus umliegenden Ortschaften – teil. Die Erwartungen und Herausforderungen der TeilnehmerInnen lagen dicht beieinander. Die Kernfragen:

  1. Wie halte ich meine MitarbeiterInnen im Unternehmen?
  2. Wie schütze ich mich wirkungsvoll gegen das Abwerben von Mitarbeitern durch Mitbewerber oder Auftraggeber?

Warum es im Mittelstand auch schnell um die Existenz gehen kann

Der Mittelstand ist nicht nur in Sachsen das Rückgrat der Wirtschaft, der Motor für Ausbildung, Innovation und der stärkste Arbeitgeber überhaupt. Kleinste (bis 9 MA), kleine (bis 49 MA) und mittlere (bis 249 MA) Unternehmen sichern somit auch das Ein- und Auskommen Ihrer Beschäftigten und deren Familienangehörige. Der Fortbestand der Unternehmen ist oft nicht nur von guten Aufträgen abhängig sondern vor allem von guten qualifizierten und passenden Mitarbeitern. Hat das Unternehmen nicht genügend Personal zur Verfügung kann es in ernste existenzielle Schwierigkeiten kommen. Anhaltend hoher Krankenstand, zu wenig Bewerbungen, zu wenig Nachwuchskräfte und erhöhte Ausgaben, um der Fluktuation von vorhandenen Mitarbeitern zu begegnen, zerren schnell an den Nerven. Überdurchschnittlich ist die Anzahl der UnternehmerInnen, die am Workshop nicht mehr teilnehmen können, weil sie bereits Ausfälle von Beschäftigten mit Ihrer eigenen Arbeitskraft kompensieren müssen.

Workshop zur Fachkräftesicherung in Nossen (c) familienfreund.de

Warum die Kosten für Bindung und Gewinnung weiter steigen werden

Mitarbeiter zu binden und zu gewinnen, kostet Unternehmen vor allem Zeit und damit Geld. Das Thema muss um volle Wirksamkeit zu entfalten Chefsache sein. Meist hat der Chef im Mittelstand aber schon selbst genug um die Ohren. Wirksame Maßnahmen und Beispiele gibt es aber nicht als Rezept zum Nachmachen für das eigene KMU. Nur, wenn man sich ganzheitlich dem Thema nähert und Verständnis für die veränderte Arbeits- und Lebenswelt entwickelt, öffnet sich der Weg für neue Mitarbeiter. Die Informationsgesellschaft trägt dazu bei, dass Mitarbeiter schnell den gezahlten Lohn miteinander vergleichen. Auch, wenn der Arbeitgeber meint, dass die Bindung des einzelnen z. B. durch jahrelange Betriebszugehörigkeit oder eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe hergestellt sein müsste, kann es passieren, dass ein scheinbar besser bezahltes Jobangebot die Wechselwilligkeit auslöst. Dreist empfindet der/die einzelne UnternehmerIn das direkte Abwerben seiner Mitarbeiter durch gezielte Angebote z. B. auf Baustellen oder im Außendienst.

Die guten Zusatz- und Nebenleistungen kommunizieren

‚Tue gutes und rede darüber!‘ sagt ein altes Sprichwort und so muss es auch im Unternehmen sein. Wenn Mitarbeiter Ihren Stundenlohn miteinander vergleichen, vergessen sie allzu oft die Neben- und Zusatzleistungen des Arbeitgebers zu kommunizieren. Vom Obstkorb bis hin zur Nutzung des Dienstfahrzeuges für private Zwecke gibt es zahlreiche Möglichkeiten seine Mitarbeiter monetär und nicht monetär zu unterstützen. Wichtig bei allem, was Sie tun, ist und bleibt darüber zu reden. Wie sollen z. B. BewerberInnen von Ihrem tollen Betriebsklima oder Ihren Nebenleistungen erfahren, wenn man diese nirgendwo finden kann. Und auch Ihre Mitarbeiter sollten Sie regelmäßig über den Umfang von zusätzlichen Leistungen zum Lohn informieren. Ein schicker Beileger zum Lohnzettel motiviert und erinnert an alles, was es zusätzlich zum vereinbarten Arbeitsentgelt gibt.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Um erfolgreich unternehmen zu können, müssen generell die Rahmenbedingungen auf dem Markt stimmen. Viele gut gemeinte familien- und rentenpolitische Maßnahmen der Politik sorgen bei dem ein oder anderen Mittelständler für mehr Fragen als Antworten. Gerade in strukturschwachen Gegenden oder in eng umkämpften Märkten ist der Preis, den der Kunde letztlich bereit ist zu zahlen nicht unendlich skalierbar. Die Kosten für die Arbeit, die unmittelbar auf Produkte umgelegt bzw. an Kunden weitergeben werden, sind extrem gestiegen. Oft entsteht der Eindruck, dass der Generationswechsel bei der besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben (politisch) erzwungen werden soll.

Unternehmer wehren sich nicht nur gegen das Abwerben sondern geraten auch durch überzogene Forderungen der (neuen) Mitarbeiter unter Druck. Mit Blick auf den Mitbewerber ist klar, dass man neben dem Arbeitsentgelt noch mehr Benefits anbieten muss. Bei oft gleichbleibenden bzw. mäßig steigenden Deckungsbeitrag und einer zudem immer länger anhaltenden Einarbeitungszeit fällt es den Betrieben nicht leicht sich gegenüber Mitbewerbern abzugrenzen. Gerade in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in der Industrie müssen die Rahmenbedingungen für Beschäftigte und Beschäftigung stimmen. So ist der Wunsch nach einem gestaffelten Renteneintrittsalter nach Branchen durchaus nachvollziehbar, wenn man nach 40 Jahren auf dem Dach die letzten 5 Jahre körperlich nicht mehr Arbeiten kann.

 

Warum der Mittelstand nicht nur Führungskräfte benötigt

Fachkräftesicherung wird sich zukünftig vor allem darum drehen den Sinn für das eigene Tun am Arbeitsplatz sowie des Unternehmens nach innen und außen zu kommunizieren. Den Mitarbeiter besser und effizienter am Unternehmen zu beteiligen, wird zwangsweise dazu führen, dass sich der Wunsch entwickelt dort auch ‚Karriere‘ zu machen. Im Ergebnis verschiebt sich das Gemengelage im Unternehmen. Neue Team-, Schicht- und Abteilungsleiter nehmen andere Aufgaben wahr als bisher. Am Ende benötigt der Mittelständler um die Ecke deutlich mehr Arbeits- und Fachkräfte als Führungskräfte. UnternehmerInnen qualifizieren in Erwartung von drohenden Renteneintritten innerhalb der nächsten 10 Jahre schon zusätzlich Nachrücker für Führungsaufgaben. Dieser Qualifizierung rückt aber keine geeignete Bewerbung für die ‚freigewordene Stelle‘ nach. Auch Azubis zum Ausbilden und Anlernen sind nach wie vor Mangelware. Mit jedem Mitarbeiterwechsel und jedem Azubi, den man nicht erfolgreich binden kann, verliert das Unternehmen zudem Know-How.

Über Digitalisierung und Automatisierung

…denken die Unternehmen schon längst nach. Der Wunsch gerade ausführende Arbeiten z. B. in der Industrie, Produktion und Landwirtschaft weiter zu automatisieren, ist hoch. Tätigkeiten, die als körperlich schwer erscheinen, dauerhaft Belasten oder durch bestimmte Arbeitsabläufe und -zeiten unattraktiver empfunden werden, haben die TeilnehmerInnen am Workshop im Focus. Gern wollen Sie die MitarbeiterInnen in die Weiterentwicklung von Prozessen und Produkten miteinbeziehen. Dafür werden auch monetäre Anreize geboten. Das Know-How und das gute Zeugnis älterer Kollegen, welche altersbedingt ausscheiden, müssen Sie für Ihr Unternehmen weiter nutzbar machen. Wenn MitarbeiterInnen zum Renteneintritt sehr gutes Feedback geben und für Sie als Arbeitgeber eine Empfehlung aussprechen, sollten Sie diese für jüngere Kollegen sowie potentielle Interessenten aufbereiten und kommunizieren.

Es bedarf individueller Konzepte

Auch der Workshop zur Fachkräftesicherung in Nossen ergab, dass es individueller Lösungen bedarf und nicht fertiger Rezepte. Im Grunde gilt es durch situative Führung täglich die Lust jedes Mitarbeiters auf seine Aufgabe im Unternehmen erneut zu wecken und zu motivieren. Ähnlich, wie bei der Feuerwehr, wo jeder Kamerad auf seinen Zugführer hört, wenn es zum Einsatz geht, muss auch im Unternehmen das Ziel klar definiert und kommuniziert werden. So kann es motivieren, wenn man nach einem großen Sturm als Dachdecker mit seinem Team schnell dafür sorgen muss, dass die Dächer wieder dicht sind. Im täglichen Tun schleift sich menschlich bedingt die Freude über jedes neue Dach oder jeden neuen Auftrag leider ab. Die Wichtigkeit der eigenen Arbeit und die Wichtigkeit des Unternehmens im Ganzen sollte kollegial oder für den Einzelnen immer wieder hervorgehoben werden. Nichts darf Routine oder selbst verständlich werden. Von Unternehmer zu Mitarbeiter sollten auch die Fragen: Warum bin ich heute hier? und Warum sollte ich Dich heute nicht entlassen? regelmäßig neu gestellt und beantwortet werden.

P. S. Der Nachbericht unseres Kollegen Sven Lehmann ergänzt unseren Beitrag.

Hat Ihnen der Beitrag geholfen? Behalten Sie ihn nicht für sich !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.