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Familienfreundlichkeit um jeden Preis?

Glück als junger Vater (c) tamino54 / pixabay.de

Glück als junger Vater (c) tamino54 / pixabay.de

Mein Name ist Timo Blass und ich arbeite als Personalreferent bei einer Fachagentur für Personalmarketing. Im Zuge meiner Masterthesis mit dem Titel „Familie trotz Beruf – Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus Mitarbeiterperspektive“ führte ich problemzentrierte Interviews mit Mitarbeitern aus drei Unternehmen verschiedener Branchen und verschiedener Größenklassen durch, deren Ergebnisse ich hier in Form von einigen Beiträgen gerne präsentiere.

Die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat in den vergangenen Jahrzehnten angesichts der steigenden Frauenerwerbstätigkeiten, der niedrigen Geburtenrate und der immer späteren Elternschaft, einen enormen Aufschwung erfahren. Als wesentliche Treiber für diesen Aufschwung gelten vor allem die demographischen Veränderungen sowie der weitreichende Wertewandel. Für die neue Generation von Eltern ist die Balance von Familien- und Arbeitswelt besonders wichtig. Daher gehört das Thema der Familienfreundlichkeit inzwischen zu jeder guten Arbeitgebermarke.

Das Problem mit Angebot und Nachfrage

Familienfreundlichen Maßnahmen von Unternehmen beispielsweise in Form von betriebseigenen Kindergärten und -tagesstätten, familienfreundliche Arbeitszeiten oder geldwerte Leistungen punkten vor allem durch ihre Vielfältigkeit und Individualität. Allerdings herrscht zwischen der Nachfrage und dem Angebot der Maßnahmen ein großes Ungleichgewicht. Zum einen da die Nachfrage (wie so häufig) größer ist als das Angebot. Zum anderen weil hochqualifizierte Arbeitnehmer bei der Vergabe von betriebseigenen Kindergärten oder anderen Maßnahmen oft noch bevorzugt werden, da diese für den Arbeitgeber auch schwerer zu ersetzen sind und langfristig an das Unternehmen gebunden werden sollen. Allerdings sind es vor allem die geringqualifizierten Arbeitnehmer mit geringem Einkommen, die bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf Unterstützung angewiesen sind. Außerdem liegt der Fokus vor allem auf jungen oder angehenden Eltern, während Arbeitnehmer mit älteren Kindern oder mit pflegebedürftigen Angehörigen oft noch außen vorstehen.

Familienfreundlichkeit als Risiko für das Unternehmensklima

Damit geht jedoch ein großes Risiko für das Unternehmensklima und das Zusammengehörigkeitsgefühl einher. So können Probleme oder Spannungen zum Beispiel dadurch entstehen, dass die Transparenz bei der Vergabe der Kindergartenplätze oder bei der Einteilung der Arbeitszeiten fehlt oder etwa dadurch, dass freiwillige soziale Leistungen vom Arbeitgeber, die beispielsweise die Betriebszugehörigkeit belohnen soll, auch von den Arbeitnehmern verdient werden, die sich in Elternzeit befinden und sich Zuhause um die Kinder kümmern.

Spannungen zwischen Mitarbeitern mit und ohne Familienpflichten

In Zuge meiner Studie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus Mitarbeiterperspektive führte ich problemorientierte Interviews mit Mitarbeitern unterschiedlicher Ebenen aus drei Unternehmen durch. Dabei stellte ich den Interviewten unter anderem die Frage, ob Sie Spannungen oder Neid von Kollegen ohne Familienpflichten spürten oder teilweise auf Unverständnis trafen. Ein Großteil der Interviewten verneinte dies und lobten das Verständnis, dass Ihnen entgegengebracht wird. Lediglich einige wenige der Interviewten sprachen offen über Situationen, in denen Sie Unverständnis und fehlende Flexibilität bei Notfällen oder Krankheiten der Kinder spürten. Andere sprachen hingegen sogar von Hemmungen und einem schlechten Gewissen gegenüber den Kollegen und diese mit der anfallenden Arbeit im Stich zu lassen. Es ist daher anzunehmen, dass unterschwellige Spannungen und Probleme zwischen Mitarbeitern mit und ohne Familienpflichten bestehen, die aber nicht offen angesprochen werden.

Das richtige Arbeitsumfeld ist entscheidend!

Um diese Probleme zu vermeiden, sollte Familienfreundlichkeit eben nicht um jeden Preis Teil der Unternehmenskultur werden. Der Fokus darf nämlich nicht allein auf der Quantität, Qualität und Flexibilität der Leistungen liegen, sondern vielmehr auf einem familienfreundlichen Arbeitsumfeld, das durch gemeinsame Einstellungen, Werte und Normen getragen wird. Nur so kann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch wirklich für alle Beschäftigten und deren Familien gesichert werden.

Sie sind an den Mitarbeiterperspektiven interessiert?

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