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Prognose und Ergebnis vom Mindestlohn bei Minijobs

Geld | Mindestlohn (c) Rainer Aschenbrenner / pixelio.de

Geld | Mindestlohn (c) Rainer Aschenbrenner / pixelio.de

Gut 5 Millionen Beschäftigte in Deutschland verdienen weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Würde die Bundesregierung Forderungen nach Ausnahmen vom Mindestlohn nachgeben, erhielten 2 Millionen dieser Niedriglohnbeschäftigten keinen Mindestlohn – und es könnte zu problematischen Verdrängungseffekten auf dem Arbeitsmarkt kommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Prognose der Auswirkungen eines Mindestlohn

Mindestlohn soll 2015 kommen

Nach den Plänen der Großen Koalition soll ab 2015 in Deutschland ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn gelten. Aktuell mehren sich allerdings Forderungen von Politikern und Arbeitgeberverbänden nach Ausnahmeregelungen für bestimmte Arbeitnehmergruppen. Sollten sich diese Forderungen durchsetzen, würde der Mindestlohn zum „Schweizer Käse“, zeigt eine Analyse des WSI. Die Forscher berechneten auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels, wie viele Menschen mit einem Arbeitsverhältnis (also ohne Praktikanten oder Auszubildende) von solchen Ausnahmen betroffen wären. Ergebnis: Im Jahr 2012 lag der Stundenlohn von rund 5,25 Millionen Beschäftigten unterhalb von 8,50 Euro. Gälte der Mindestlohn nicht für Minijobber, Rentner, Schüler, Studenten und hinzuverdienende Arbeitslose, gingen 2 Millionen oder 37 Prozent der Geringverdiener leer aus. Ohne Ausnahmen für geringfügig Beschäftigte wäre es immer noch fast ein Viertel.

WSI-Studie warnt vor Verdrängungseffekten

Damit würde der allgemeine Mindestlohn systematisch unterlaufen und ein neuer, eigener Niedriglohnsektor geschaffen, warnt Dr. Reinhard Bispinck, der Leiter des WSI. Die Ausgrenzung ganzer Arbeitnehmergruppen würde den eigentlichen Zweck der Regelung unterlaufen, nämlich den Schutz aller abhängig Beschäftigten. Laut einer Expertise des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages können Ausnahmeregelungen sogar gegen den verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatz verstoßen (siehe Grafik 2).

Die Ausnahmen würden sich der WSI-Studie zufolge stark auf einige wenige Branchen konzentrieren: Knapp 56 Prozent aller Minijobber und 52 Prozent aller erwerbstätigen Rentner, Schüler und Studenten mit Stundenlöhnen unter 8,50 Euro arbeiten entweder im Gastgewerbe, dem Einzelhandel, den unternehmensnahen Dienstleistungen oder den „sonstigen Dienstleistungen“ wie beispielsweise Wäschereien oder das Friseurgewerbe. In diesen vier Branchen sind von denjenigen, die weniger als den Mindestlohn verdienen, zwischen 35 und 40 Prozent geringfügig beschäftigt und zwischen 7 und 25 Prozent Rentner, Schüler oder Studenten.

Die Auswirkungen von gesetzlichen Lohnuntergrenzen seien mittlerweile gut erforscht, so Bispinck. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass keine negativen Beschäftigungseffekte zu erwarten sind. Dagegen seien die Folgen weitgehender Ausnahmen für den Arbeitsmarkt nicht absehbar. Es bestehe die Gefahr, dass es zu erheblichen Verdrängungs- und Substitutionseffekten kommt, dass Unternehmen also Beschäftigte mit Mindestlohn durch solche ohne Mindestlohn ersetzen. „Der allgemeine Mindestlohn ist ein sinnvolles Instrument, um Fehlentwicklungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt und bei der Lohnentwicklung einzudämmen“, sagt Bispinck. „Aber dazu muss er auch wirklich für alle Arbeitsverhältnisse gelten.“

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Reinhard Bispinck
Leiter WSI
Tel.: 0211-7778-232
E-Mail: Reinhard-Bispinck@boeckler.de

Dr. Thorsten Schulten
WSI-Tarifexperte
Tel. 0211-7778-239
E-Mail: Thorsten-Schulten@boeckler.de

Die ersten Ergebnisse des Mindestlohn

Zahl der Minijobber in Deutschland geht um 3,5 Prozent zurück

Die Zahl der Minijobber in Deutschland ist im ersten Quartal dieses Jahres um 3,5 Prozent zurückgegangen. Dies geht aus dem heute veröffentlichten Bericht der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) hervor. Demnach gab es zum 31. März 2015 rund 6,6 Millionen Minijobber im gewerblichen Bereich, das sind rund 237.000 weniger als zum 31. Dezember 2014. Im Vorjahresvergleich sank die Zahl der geringfügig entlohnten Beschäftigten um 2,8 Prozent bzw. knapp 190.000.

Besonders viele Minijobs fallen in Sachsen-Anhalt und Thüringen weg

Die Zahl der Minijobber in Privathaushalten ist im Vergleich zum Vorquartal konstant geblieben, sie liegt bei rund 284.000. Gegenüber dem Vorjahreswert erhöhte sich die Zahl allerdings um 6,1 Prozent. „Der Trend zur Anmeldung von Haushaltshilfen setzt sich fort“, so der Leiter der Essener Minijob-Zentrale, Dr. Erik Thomsen.

Vom Rückgang der Zahl der gewerblichen Minijobber sind alle Bundesländer betroffen. Der stärkste Rückgang im Vergleich zum Vorquartal ist mit 7,7 Prozent in Sachsen-Anhalt und mit 6,6 Prozent in Thüringen zu verzeichnen. Den geringsten Rückgang weisen Bremen mit 2,5 Prozent und Bayern mit 2,8 Prozent auf.

Zugelegt hat die Zahl der Minijobber, die eigene Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Sie liegt jetzt bei 17,3 Prozent im gewerblichen Bereich und bei 14,4 Prozent in den Privathaushalten. Im März 2014 waren es 16,8 Prozent im gewerblichen Bereich und 14,3 Prozent in Privathaushalten. Seit Januar 2013 sind Minijobber grundsätzlich rentenversicherungspflichtig, sie haben aber die Möglichkeit, dieser Regelung zu widersprechen.

Seit Einführung der generellen Rentenversicherungspflicht für Minijobber nehmen die Beitragseinnahmen aus Minijobs deutlich zu. Von 2012 bis 2014 erhöhten sich die Einnahmen der Gesetzlichen Rentenversicherung aus Minijobs um 11,4 Prozent. Sie lagen im Jahr 2012 bei rund 3,45 Milliarden Euro, 2014 bei rund 3,84 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 393 Millionen Euro.

Die Geschlechterverteilung bei den Minijobbern ist unverändert geblieben: 60,8 Prozent der geringfügig entlohnten Beschäftigten sind Frauen, 39,2 Prozent Männer. In Privathaushalten sind 91,4 Prozent der Minijobber Frauen.

Die meisten Minijobber sind mit 1,06 Millionen in der Altersgruppe der unter 25-jährigen zu finden. Zugelegt hat die Zahl der Minijobber in den höheren Altersgruppen: im Vergleich zum März 2014 bei den über 65-jährigen um 3 Prozent und bei den 60 bis 65-jährigen um 1,1 Prozent. In allen anderen Altersgruppen ist die Zahl der Minijobber rückläufig.

Mit knapp 1,2 Millionen sind die meisten Minijobber im Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen beschäftigt, gefolgt von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und dem Gastgewerbe.

Der vollständige Quartalsbericht steht unter www.minijob-zentrale.de/quartalsbericht zum Download bereit.

Kontakt:
Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See
Claudia Müller
Pieperstr. 14/28
44789 Bochum

Tel.:  0234 – 304 82260
Fax: 0234 – 304 82060
Mailto: presse@KBS.de
internet: https://www.kbs.de/DE/00_ueber_uns/ueberuns_node.html

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