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Praxiswerkstatt 7: Praktische Beispiele zur Mitarbeitergewinnung

Praktische Beispiele der Mitarbeitergewinnung

Praktische Beispiele der Mitarbeitergewinnung

Im siebenten und letzten Workshop für eine gelingende Fachkräftesicherung gab es Praktische Beispiele zur Mitarbeitergewinnung in Nossen. Auch hier wählten wir einen Teilnehmer aus dem letzten Jahr als Gastgeber aus. Bei Mafrino, Mauersberger & Fritzsche GmbH & Co. KG, einem Maschinenbauunternehmen mit über 100 Jahren Tradition wurden wir sehr herzlich vom Geschäftsführer Herr Truschka und einem Mitarbeiter begrüßt. Auch heute noch fertigt das Unternehmen, wie 1907 zur Unternehmensgründung,  Handhebelscheren an. Mit aktuell 90 Mitarbeitern und einem Altersdurchschnitt von 34 Jahre sind immer noch Stellen für weitere Fachkräfte offen.

Besser Leben auf dem Land?!

Wie Meißen, Riesa, Coswig hat auch Nossen einen besonderen Charme. Zwar ist es nicht direkt mit der S-Bahn zu erreichen, jedoch ist es mit dem Auto nur eine Stunde von Leipzig, 45 Minuten von Chemnitz bzw. Dresden und nur 30 Minuten von Freiberg entfernt. Damit hat Nossen eine besondere Zentralität im Landkreis Meißen gepaart mit einer guten Autobahnanbindung und ist direkt an der Mulde gelegen. Die ortsansässigen Unternehmen brauchen neben guten Fachkräften auch diese gute Anbindung. Mitarbeitergewinnung ist trotz der günstigen Ausgangslage für die Unternehmen in Nossen nicht einfach. Vom Spezialisten über den Generalisten bis zur anlernbaren Tätigkeit haben die Nossener Arbeitgeber eine breite Auswahl an offenen Stellen. Und trotzdem muss die Chemie beim Besetzen stimmen.

Abwerben ist nicht!

Sich gegenseitig die Azubis und Mitarbeiter abwerben, will lokal niemand. Einig sind sich die TeilnehmerInnen am Workshop auch, dass Neuansiedlungen keine Arbeitsplätze mehr schaffen (müssen) sondern einfach nur bestehende Arbeitskräfte regional absaugen. Meist mit mehr Geld, weniger Handgriffen, anderen Arbeiten oder einfach nur mit vielen Versprechungen, dass bei ihnen alles besser oder anders ist. Was im ländlichen Raum sicher immer viel zählt, sind die Beziehungen der Menschen untereinander, das wir und ein besonderer Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

Mitarbeitergewinnung ohne Rezepte und Standards

Freiwerdende und offene Stellen, die lange offen bleiben, kosten die Unternehmen richtig viel Geld. Bei der Mitarbeitergewinnung geht es in erster Linie nicht zwingend darum, besonders viel Geld zu investieren oder/und viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, die dann nicht kanalisiert wird. Sondern es geht darum, wirksame, passende Maßnahmen zu finden, die potentielle Zielgruppen bzw. tolle Kandidaten zum Unternehmen bzw. nach Nossen bringen. Dazu gibt es keine Rezepte oder Standards. Man kann von anderen Unternehmen lernen, wie es geht oder eben nicht. Im Workshop haben wir deswegen auch bewusst gute sowie weniger gelungene Maßnahmen, Kampagnen und Stellenanzeigen präsentiert. Wieder ging es um die Zwischentöne und die Diskussion miteinander. Aber auch, darum, was zu ändern bzw. anders zu machen. Und auch herauszukitzeln, was das Arbeiten bei Ihnen so spannend und interessant macht. Verantwortung, die übergeben wird, Fehler, die erlaubt sind, ein Pausenraum mit immer frischen Filterkaffee, tolle Teamarbeit, ein stets offene Tür beim Chef oder/und die individuelle Förderung bzw. Weiterbildung sind alles Dinge, die zur Erlebbarkeit der Unternehmenskultur beitragen.

Wider dem betreuten Arbeiten!

Die TeilnehmerInnen haben jeder für sich viel zu bieten. Flache Hierarchien, Mitbestimmung, spannende und sinnvolle Produkte, wertschätzende Kommunikation, ein echtes Wir-Gefühl und gute Teamarbeit sind alles Dinge, die potentielle BewerberInnen im Landkreis Meißen neben Kultur, einer tollen Wohnung, der guten Anbindung und der vollen Natur bekommen können. Die TeilnehmerInnen im Workshop wollen jedoch nicht ihre Mitarbeiter pampern. Lohn und Gehalt gegen Arbeitsleistung heißt es. Das von einem Teilnehmer als Begriff geprägte ‚betreute Arbeiten‘ lehnen alle ab. Praktische Beispiele zur Mitarbeitergewinnung müssen also auch funktionieren ohne, dass nur BewerberInnen anbeißen, die wegen der sogenannten sozialen Hängematte kommen. Arbeiten, produzieren, etwas leisten bedarf keiner weiteren Förderung als der Zahlung eines angemessenen Entgeltes. Benefits und Anreize für BewerberInnen und Mitarbeiter sollten nur oder gerade ein Teil des guten Betriebsklimas und der besonderen Unternehmenskultur sein. Notwendige gesellschaftliche Werte, wie pünktlich und regelmäßig zur Arbeit zu kommen oder der verantwortungsvolle Umgang mit fremden Eigentum (Betriebsmittel), sind Teil der guten Kinderstube und können nicht später erst durch den Arbeitgeber antrainiert werden. Mitarbeiter müssen aus Sicht der TeilnehmerInnen auch mitdenken, mitgestalten und Feedback geben.

Von der Theorie in die Praxis

Wer seine Arbeit, wie wir mit Begeisterung macht, kennt die Wehmut, wenn besonders spannende Aufträge und Projekte erstmal enden. Wir arbeiten sehr gern und nun schon das zweite Jahr hintereinander im Rahmen der Fachkräftesicherung im Landkreis Meißen. Nicht nur der Landkreis hat es uns mit seinen vielen besonderen Facetten angetan. Auch die Unternehmen und Arbeitgeber, insbesondere die WorkshopteilnehmerInnen, werden uns als besonders herzlich in Erinnerung bleiben. Viele Arbeitgeber sind (hoch-)spezialisiert mit Kunden im In- und Ausland. Zukünftige Mitarbeiter und auch die bestehende Belegschaft ist so ein Teil eines großen ganzen. Und auch wir als externe Zuhörer, Berater und Lösungslieferanten sind für die Zeit der Workshops den Arbeitgebern und ihren Teams näher gekommen. Man lernt sich kennen und versteht besser, warum manche Dinge Zeit, Prozesse oder/und einen extra Cent benötigen. Sensibilisieren und dazu Beitragen, dass die ein oder andere Idee einen Weg in die Praxis findet, war uns besonders wichtig. Und auch, wenn Ideen mal floppen und sich als nicht praxistauglich für ihr Unternehmen und ihre Fachkräftesicherung erweisen, müssen Sie als Arbeitgeber bei der Gewinnung von tollen Mitarbeitern für ihr Unternehmen dranbleiben.

Feedbacks, Ein- und Ausblicke

Nach den guten Feedbacks aus den Workshops wissen wir, dass die Arbeitgeber den Input aus den sogenannten Querschnittsthemen Mitarbeiterbindung, Mitarbeitergewinnung, Vereinbarkeit, Vielfalt und Führung am besten direkt bei sich vor Ort benötigen. Raus aus dem Tagesgeschäft können sie, wenn überhaupt nur für eine kurze Zeit. Die Inhalte bzw. Themen, die sie in dieser freigemachten Zeit hören und erfahren wollen, müssen so qualitativ hochwertig sein, wie möglich. Viele Arbeitgeber haben die Workshops des Folgeprojektes als Gesamtkonzept wahrgenommen und sind zu mehreren Workshops gekommen. Es freut uns um so mehr, dass wir sogar einen Arbeitgeber haben, der an jedem Workshop teilgenommen hat. Förderprogramme, wie das der Fachkräfteallianzen in Sachsen greifen diese Problematik der Arbeitgeber schon ein bisschen auf. Allerdings muss bei der Auswahl der Projekte nicht nur daran gedacht werden, ob das Geld im Landkreis bleibt sondern, dass es einen größtmöglichsten Nutzen für die Zielgruppen gibt. Um zu wissen, wer, wen, warum einstellt oder nicht, muss man vor allem ins Gespräch kommen. Regionale Bedingungen, Unterschiede, Lebensumstände und Meinungen müssen beachtet und gehört werden. Immerhin zahlen die Unternehmen vor Ort, die Steuern von denen sie wiederum nun im Förderprogramm profitieren konnten.

Sensibilisierung von Arbeitgebern

Sensibilisierung von Arbeitgebern für eine sich verändernde Lebenswelt der Beschäftigten ist in jedem Fall mehr als sinnvoll und darf nicht daran scheitern, dass viel weniger als erwartet, irgendwo teilnehmen. Mit echten Arbeitgebern, Unternehmensinhabern und Personalverantwortlichen über echte Probleme, Ängste und Herausforderungen direkt in ihrem Umfeld zu sprechen, hat viele Vorteile und bringt Chancen mit sich. Und die Arbeitgeber brauchen auch Zeit und eine vertrauensvolle Umgebung, um sich zu öffnen. Kongresse, Messen, Foren, Fachveranstaltungen oder Podiumsdiskussionen sind hier nur bedingt für solche ‚intimen‘ Gespräche geeignet. Auch Workshops mit mehr als 10 bis 15 Teilnehmern sind nicht förderlich für einen guten Austausch. Dem Teilnehmerschwund, der trotz langfristiger Terminankündigung durch viele Umstände entstehen kann, darf nicht dem ‚Projektträger‘ angelastet werden. Das dem ein oder anderen mal, was berufliches oder privates dazwischen grätscht, ist menschlich und auch nicht erklärungsbedürftig. Als UnternehmerInnen sind wir flexible Tagesabläufe, sich verschiebende Termine und andere Befindlichkeiten gewöhnt.

Alle müssen anpacken

Allein durch die Aufbereitung der Informationen und die Spiegelung der Ergebnisse an die Fachkräfteallianz und deren Mitglieder sowie an den Freistaat Sachsen birgt gute Möglichkeiten, wirtschaftlich, politisch und strategisch neue bzw. andere Positionen einzunehmen. Fachkräftesicherung in den Unternehmen muss Chefsache sein! Und auch auf der Ebene der Landkreise und des Freistaates sollte Fachkräftesicherung ein Kernthema bleiben. Unternehmen ohne Fachkräfte können weniger oder gar nicht mehr produzieren. Der Focus bei allen Unterstützungsmaßnahmen sollte im Wesentlichen auf den Bedürfnissen der kleinen und mittelständischen Unternehmen und ihren Belegschaften liegen. Eine noch wirksamere Aktivierung der noch vorhandenen Arbeitslosen im Landkreis, weniger Bürokratie und Vorgaben, die auf KMU einfach nicht passen, ist ein Wunsch, den die Arbeitgeber im Workshop hatten. Wir wünschen uns, dass das formelle und informelle Netzwerken und der Austausch sowohl auf Teilnehmer- als auch mit den Fachkräfteallianzen und deren Mitgliedern weitergeht. Auch die TeilnehmerInnen am Workshop wünschen sich am liebsten eine Fortsetzung im nächsten Jahr. Bis dahin wollen sie alle dran bleiben, weitermachen, umsetzen und danken kollektiv für die guten Workshops!

 

Landessignet Land Sachsen (c) freistaat.sachsen.de Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

 

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