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Kinder mit ADHS – Wissenswertes für Fachkräfte

kind schaut aus einer luke (c) Dirk Schröder, Springe / pixelio.de

kind schaut aus einer luke (c) Dirk Schröder, Springe / pixelio.de

Kinder mit ADHS gibt es in Deutschland rund drei bis fünf Prozent. Oft haben Sie besondere Herausforderungen, Bedürfnisse und bedürfen besonderer Begleitung, Betreuung und Unterstützung. Besonders Fachkräfte sind gefordert, sich zu schulen und darauf einzustellen. 

Wie funktionieren „Zappelphilippe“ wirklich?

Funktioniert das Gehirn eines an ADHS erkrankten Kindes anders als das eines gesunden Kindes? Im Rahmen einer Studie am Universitätsklinikum in Heidelberg soll unter anderem genau diese Frage geklärt werden. In Deutschland leiden rund drei bis fünf Prozent der Kinder an ADHS. Dabei sind Jungen drei bis neunmal so häufig betroffen wie Mädchen. In Heidelberg sollen jetzt Ursachen und Zusammenhänge des Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätssyndroms erforscht werden. Kinder mit ADHS haben Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Sie sind häufig unruhig und leicht ablenkbar.

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Ursachenforschung wichtig

Bislang sind die Ursachen noch nicht vollständig erforscht erste internationale Forschungen deuten aber darauf hin, dass das motorische System der Kinder (die Steuerung der Bewegungen und die Muskelaktivität durch das Nervensystem) ausschlaggebend für die Erkrankung ist. Als Folge entsteht ein erhöhter Bewegungsdrang. Die Heidelberger Forscher wollen anhand von EEG-Untersuchungen herausfinden, ob es Unterschiede in den Gehirnströmen von gesunden und hyperaktiven Kindern gibt. Denn nur, wenn die Mechanismen von ADHS klar sind, können effizientere Diagnose- und Therapiemöglichkeiten entwickelt werden.

Nicht immer sind Medikamente die Antwort

Zur Zeit werden Kinder mit ADHS noch zu viel und zu oft mit Psychopharmaka behandelt. Normalerweise sind auch Verhaltenstherapien ein Weg – jedoch greifen viele Ärzte zu schnell zu Medikamenten, wenn diese den erwünschten Erfolg nicht bringen. Ritalin greift dabei nachgewiesen in den Hirnstoffwechsel ein, indem es die Konzentration der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin an den Schaltstellen der Nervenzellen beeinflusst und so den Bewegungsdrang senkt. Um ADHS noch besser und anders behandeln zu können, bedarf es weiterer (anderer) (neuer) Therapiemethoden.

[08.08.2011] Kinder mit ADHS deutlich benachteiligt

Kinder mit ADHS sind im Vergleich zu Kindern ohne ADHS in allen Lebensbereichen deutlich benachteiligt. Zu diesem Schluss kommt die erste Auswertung des so genannten Lifetime Impairment Surveys, einer europaweiten Elternbefragung. Die Beeinträchtigungen sind unter ihrer Erkankung am stärksten in den Bereichen Schule und soziale Beziehungen. Kinder mit ADHS sind häufiger die sogenannten „Schlusslichter“ einer Klasse (26 gegenüber zwölf Prozent) und haben im Durchschnitt mehr Fehltage als ihre Mitschüler (sieben gegenüber fünf Tagen). Sie haben weniger Einladungen von Ihren Mitschülern und haben oft zu Hause Probleme mit Geschwisterkindern. Jugendliche mit ADHS konsumieren zudem öfter exzessiv Alkohol und sind deutlich öfter in handgreifliche streitigkeiten verwickelt.

Einzelheiten zur Befragung

Im Rahmen der „Befragung zu Beeinträchtigungen durch ADHS im Lebensverlauf“ wurden über 2.500 Erwachsene mit ADHS sowie Eltern von Kindern mit ADHS befragt. Die Studie vergleicht ADHS-Patienten mit gleichaltrigen und bewertet so die Auswirkungen von ADHS auf die Lebensumstände zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz und in Bezug auf Familie und Freunde. Die Befragung wurde in Deutschland und fünf weiteren europäischen Ländern durchgeführt. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von jeweils über 500 Eltern von Kindern mit und ohne ADHS.

Mühsamer Weg bis zur Diagnose

Der Weg zur Diagnose, wenn es überhaupt eine gibt, ist sehr lang. 54 Prozent der befragten Eltern war frustriert über die Vielzahl an Arztbesuchen und Arztwechseln. Für eine gesicherte Diagnose mussten Sie drei oder mehr Ärzte besuchen. Auch für Sie als Fachkraft ist es wichtig Eltern beim Weg mit Ihrem Kind zu unterstützen, zu stärken und zu begleiten, denn nicht alle Eltern haben dafür die Kraft. Als Basis für eine gelingende fachliche und persönliche Zusammenarbeit sollte für Sie das Credo sein, dass für jedes Kind jedes Jahr zählt. Als Fachkraft können Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen und Trägern dazu beitragen, dass sich die Versorgungssituation von Kindern mit ADHS verbessert.

So wie die Diagnose muss sich auch die Therapie, Unterstützung und Betreuung im Alltag verbessern. Kinder mit ADHS auf Förderschulen zu versetzen, ist oft keine Lösung, weil viel Potential verloren geht. Zwar stimmt dann vielleicht die Betreuungsleistung bzw. der Betreuungsschlüssel jedoch oft zu Lasten des Potenzials.

[19.5.2012] Diagnostik ADHS – Kinderärzte müssen drauflegen

Nur durch eine umfassende Diagnostik gemäß den ärztlichen Leitlinien kann eine ADHS sicher erkannt werden. Die erforderlichen Untersuchungen umfassen Gespräche mit dem Kind, seinen Eltern und mit Lehrkräften, das Auswerten von Fragebögen sowie das ausschließen möglicher körperlicher Ursachen. Bei Bedarf müssen auch Aufmerksamkeits- und Intelligenztests durchgeführt werden. So könnten z. B. ADHS-Verträge die Versorgung verbessern. Die kassenärztlichen Vereinigungen und einzelne Krankenkassen haben gemeinsam einen Weg gefunden, um die Versorgungssituation junger ADHS-Patienten zu verbessern. Schon seit 2009 existieren in verschiedenen Bundesländern Verträge zur qualitätsgesicherten Versorgung. Pro Patient und Jahr stellen die beteiligten Krankenkassen bis zu 1.200 Euro zur Verfügung. Die Patienten profitieren von einer Leitliniengemäßen Diagnostik und einer multimodalen Therapie.

[30.01.2013] ADHS-Diagnosen und Ritalin-Verordnungen boomen

In Deutschland wächst eine „Generation ADHS“ heran: Unter Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre – so der heute in Berlin vorgestellte Arztreport 2013 der Barmer GEK – kletterte die Zahl diagnostizierter Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) zwischen 2006 und 2011 von 2,92 auf 4,14 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent. Altersübergreifend ist der Bevölkerungsanteil mit einer ADHS-Diagnose sogar um 49 Prozent gestiegen (von 0,61 auf 0,92 Prozent der Bevölkerung).

Viele Diagnosen beim Bildungsübergang

ADHS scheint mittlerweile zu einer Modediagnose geworden zu sein. Allein im Jahr 2011 wurde ADHS bei rund 750.000 Personen festgestellt (552.000 Männer, 197.000 Frauen) festgestellt. Davon sind rund 620.000 Personen in der Altersgruppe bis 19 Jahre (472.000 Jungen, 149.000 Mädchen). Dabei kommt raus, dass besonders am Übergang von der  Grundschule zur weiterführenden Schule die meisten Diagnosen zu verzeichnen. Medikamente lösen jedoch keine Erziehungs- oder Schulprobleme. Ein effektives Elterntraining oder eine Verhaltenstherapie unterstützten Eltern auch in schwierigen Situationen mit ihren Kindern.

Gut ausgebildete Eltern greifen weniger zu Medikamenten

Wissenschaftler aus Hannover ermittelten erstmals einige Eltern-abhängige Faktoren, die das Risiko für eine ADHS-Diagnose und die Verordnung von Medikamenten mit Methylphenidat bei Kindern beeinflussen. Mit steigendem Ausbildungsniveau der Eltern sinkt das Risiko für eine ADHS Medikamentierung bzw. Diagnose. Kinder mit ADHS kommen häufiger aus Familien mit arbeitslosen Elternteil. Auch Kinder jüngerer Eltern haben ein höheres Diagnose-Risiko als diejenigen von Eltern mittleren Alters. Kinder mit einem Elternteil im Alter zwischen 20 und 24 Jahren sind etwa 1,5 mal häufiger von einer ADHS-Diagnose betroffen als Kinder mit Eltern zwischen 30 und 35 Jahren. Und die ADHS-Hochburg in Deutschland ist Würzburg. Während bundesweit die ADHS Diagnose bei knapp 12 Prozent der Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren in Jahr 2011 gestellt wurde, haben Ärzte in Unterfranken diese Diagnose bei 18,8 Prozent der Jungen dieser Altersgruppe gestellt. Bei Mädchen waren es bundesdurchschnittlich ca. 4 Prozent gegenüber 8,8 Prozent in Unterfranken.

Medikamente oder nicht?!

Im Alter von zehn bis zwölf Jahren erhielten bundesweit rund 6,5 Prozent der Jungen eine Verordnung – in Unterfranken waren es mit 13,3 Prozent mehr als doppelt soviel (Mädchen ca. 5,5 Prozent vs. 2 Prozent im Bundesdurchschnitt). Warum es im Raum Würzburg so vermehrt zu diesen Zahlen kommt, bleibt unklar. Bundesweit bekamen nach Hochrechnung zwischen 2006 und 2011 jeder fünfte Junge, der 2000 geboren wurde, eine ADHS-Diagnose und jeder zehnte mit Ritalin-Rezept. Die Verordnungsraten von Ritalin  sind zwischen 2006 und 2011 gestiegen.

Adhs und Zukunftsträume

Die Informationskampagne „ADHS und Zukunftsträume“ unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin a. d. Renate Schmidt schafft Aufmerksamkeit für Betroffene mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Sie lenkt den Blick auf deren Stärken und Potenziale sowie auf Verbesserungsbedarf in Diagnostik und Therapie. „ADHS und Zukunftsträume“ wurde initiiert von der Shire Deutschland Gmbh in Zusammenarbeit mit ADHS Deutschland e. V., der AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte e. V. und dem bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband.

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