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Experteninterview zum Thema Hundegesundheit nach dem Expertentelefon am 27. Juni 2013

Hund wartet auf unter dem Tisch auf kleines Häppchen (c) Foto: DK/familienfreund.de

Hund wartet auf unter dem Tisch auf kleines Häppchen (c) Foto: DK/familienfreund.de

Nach dem Expertentelefon Hundegesundheit haben wir noch zwei unserer Experten gebeten uns für ein paar Fragen zur Verfügung zu stehen. Sie waren sehr gerne bereit, neben den Fragen am Telefon noch weitere Details zur Hundegesundheit zu verraten. Zum einen stand uns Dr. Claudia Rade aus Hannover zur Verfügung.Sie ist Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik. Dr. Rade studierte von 1988 bis 1993 Tiermedizin in Hannover und promovierte 1996 im Fach Tierernährung.

Darüber hinaus stand uns die ausgebildete Hunde-Trainerin Christiane Frey aus Heiligkreuzsteinach, Rede und Antwort. Sie ist auch Verhaltensberaterin und spezialisiert auf ein „harmonisches Miteinander von Mensch und Hund”. Frau Frey ist Mitglied der Trainer-Runde „kollegial = genial“, der bekannten Hundeakademie Perdita Lübbe in Darmstadt.

1. Große und kleine Hunde stellen unterschiedliche Anforderungen an Menge und Energiegehalt des Futters, aber gibt es auch rassespezifische Unterschiede, die bei der Fütterung zu beachten sind?
Dr. Claudia Rade: Es ist durchaus sinnvoll, rassespezifische Besonderheiten bei der Fütterung zu berücksichtigen. So benötigen Wasser-Apportierhunde, wie etwa der Labrador, im Schnitt zwölf Prozent weniger Energie als ein Schäferhund gleichen Gewichts. Muskulöse Hunde wie Rhodesian Ridgeback oder Weimaraner brauchen dagegen ausreichend hochwertige Proteine im Futter, um ihre Muskelmasse zu erhalten. Dabei sollten Größe und Form der Kroketten – wie zum Beispiel bei den rassespezifischen Spezialfuttersorten von Royal Canin – an die Anatomie der Kiefer angepasst sein.

2. Auch wenn es die Besitzer gut meinen, Übergewicht schadet dem Hund. Was sollte bei der Fütterung beachtet werden, damit der Vierbeiner sein Idealgewicht hält?
Dr. Claudia Rade: Die Futtermenge sollte passend zum Normalgewicht festgelegt und dann rationiert zugeteilt werden. Die Kontrolle erfolgt am besten durch Abwiegen, denn bei der Zuteilung mit einem Messbecher kann es zu einer bis zu 20-prozentigen Abweichung kommen. Zu beachten ist auch, dass Snacks und Leckerli eine nicht unerhebliche Menge an Kalorien enthalten. Deshalb müssen die Kalorien der Extras von der Tagesration des Hauptfutters abgezogen werden und sollten insgesamt nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Tagesbedarfs ausmachen.

3. Immer wieder hört man, dass auch Hunde unter Nahrungsmittelallergien leiden können. Haben Sie Tipps, wenn der Hund unter Juckreiz oder Haut- beziehungsweise Fellproblemen leidet?
Dr. Claudia Rade: Die Futtermittelallergie ist die dritthäufigste allergische Erkrankung beim Hund. Für die Abklärung füttert man den Hund zehn Wochen lang mit einem Futter, das nur Bestandteile enthält, die er zuvor noch nie gefressen hat. Hört der Juckreiz auf, besteht ein begründeter Verdacht auf eine Futtermittelallergie. Allerdings ist bei vielen Hunden kaum noch eine Eiweißquelle zu finden, die sie noch nie gefressen haben. In solchen Fällen können Spezialnahrungen mit Proteinhydrolysaten vom Tierarzt eine Lösung sein.

4. Dank guter Ernährung und liebevoller Pflege werden unsere Vierbeiner immer älter. Ab wann ist ein Hund alt und braucht er eine altersspezifische Ernährung?
Dr. Claudia Rade: Bei Hunden ist der Zeitpunkt der Alterung abhängig von derKörpergröße. Bei kleinen Hunden bis zehn Kilogramm Körpergewicht beginnt der Alterungsprozess mit acht Jahren. Mittelgroße Vierbeiner treten ab sieben Jahren in die Phase des Alterns ein, und große Rassen bereits ab fünf Jahren. Gutes Futter für Hundesenioren zeichnet sich durch einen reduzierten Kaloriengehalt, aber besonders hochwertige, hochverdauliche Zutaten aus. Das erleichtert es dem Hund auch im Alter und bei eingeschränkter Aktivität, sein Normalgewicht und eine geregelte Verdauung aufrechtzuerhalten.

5. Mit zunehmendem Alter leidet auch die Zahngesundheit des Hundes. Wie beugt man am besten einer Zahnsteinbildung vor, damit der Hund später nicht unter Zahnfleischentzündungen zu leiden hat.

Dr. Claudia Rade: Es empfehlen sich Spezialnahrungen mit Zahnpflegeeigenschaften, wie etwa Trockenfutter, das aufgrund der Größe und Struktur seiner Kroketten dazu geeignet ist, Zahnbeläge beim Kauen zu entfernen. Allerdings ist das tägliche Zähneputzen als Prophylaxe über die Fütterung einer speziellen Zahnnahrung (z. B. DENTAL) weit überlegen. Eine manuelle Zahnpflege empfiehlt sich vor allem für alte Hunde mit Zahnproblemen, die mit einem Dentalfutter nicht optimal zurechtkommen.

6. Wichtig für das Zusammenleben mit dem Hund ist, dass er gut gehorcht. Was raten Sie Hundehaltern, wenn der Hund ständig an der Leine zieht?
Christiane Frey: Gehen Sie an einer nicht zu kurzen, etwa zwei bis drei Meter langen Leinen mit dem Hund spazieren. Ändern Sie dabei ständig die Richtung und loben Sie Ihren Hund, wenn er neben Ihnen läuft. Schenken Sie Ihrem Hund dann Aufmerksamkeit, wenn er an der lockeren Leine neben Ihnen geht.

7. Viele Hunde können nicht alleine bleiben und bellen oder jaulen, wenn Herrchen oder Frauchen das Haus verlässt. Wie gewöhnt man den Vierbeiner an das Alleinsein?
Christiane Frey: Fangen Sie am besten gleich am ersten Tag, an dem der Hund bei Ihnen einzieht, an: Gehen Sie immer mal wieder aus dem Zimmer und machen Sie die Tür hinter sich zu. Kommen Sie zurück, solange der Hund ruhig ist, und verlängern Sie die Zeiten langsam. Machen Sie keinen großen Aufwand, wenn Sie gehen oder kommen. Es ist wichtig, dass alles ganz ruhig abläuft.

8. Haben Sie einen Tipp für Hundehalter, deren Tiere sich schlecht abrufen lassen beziehungsweise ohne Leine abhauen?
Christiane Frey: Rufen Sie den Hund nicht nur, wenn der Spaß für Ihn vorbei ist und er an die Leine soll, sondern auch dann, wenn Sie etwas Tolles, wie beispielsweise Leckerchen, Tannenzapfen oder Käfer, entdeckt haben. Sie können sich auch einfach mal hinter einem Baum verstecken. Sichern Sie das Ganze mit einer Schleppleine von zirka zehn Metern Länge ab.

9. Manche Hunde haben Angst vor dem Autofahren oder vor der Fahrt mit Bus und Bahn? Wie gewöhnt man einen Hund daran?
Christiane Frey: Fahren Sie mit Ihrem Hund, wenn möglich, vom ersten Tag an mit dem Auto oder Bus zum Spazierengehen. Halten Sie die Strecken am Anfang kurz und machen Sie am Ziel mit Ihrem Hund einen schönen Spaziergang oder spielen Sie mit ihm.

10. Vielfach ist die Rede von einer guten Bindung zwischen Hund und Halter. Was ist darunter zu verstehen und wie baut man eine gute Beziehung zu seinem Hund auf?
Christiane Frey: Eine gute Beziehung basiert auf Vertrauen und Vertrauen baut sich durch positive gemeinsame Erlebnisse auf. Entdecken Sie also mit Ihrem Hund die Welt und helfen Sie, wenn er Ihre Hilfe braucht. Motivieren Sie ihn, wenn er neue Dinge untersucht und spielen Sie mit Ihrem Hund – OHNE Spielzeug. Nur Sie und der Hund. Das Kuscheln bitte auch nicht vergessen: Also runter auf den Boden und einfach mal kuscheln.

Wissenswertes zur Hundegesundheit erfahren Sie auch im Nachbericht zum Expertentelefon, welchen wir in unserem Webmagazin zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie veröffenlicht haben.Die meist gestellten Fragen und die dazu gehörenden Antworten werden Ihnen bei der Ernährung und dem Umgang mit ihrem Liebsten ebenso helfen.

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