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Schule: Die Separation am Bildungsübergang muss aufhören

Klingel mit Rollstuhlsymbol (c) BrandtMarke / pixelio.de

Klingel mit Rollstuhlsymbol (c) BrandtMarke / pixelio.de

Die Separation am Bildungsübergang bedeutet nichts anderes, dass Kinder beim Wechsel in die weiterführende Schule an der Förderschule landen. So geht auch dieses Schuljahr zu Ende und in den meisten Fällen ist die Entscheidung, welche Schule für welches Kind schon längst getroffen. Gerade an den Bildungsübergängen trennt das deutsche Schulsystem hemmungslos die sogenannte „Spreu und Weizen“ Auch, wenn die Bildungsempfehlung einen klaren Wert enthält, ist das bei weitem keine Garantie für die eine Schule oder gar das beste Konzept seiner Wahl.

Viele Kinder geraten in die Mühlen des Schulsystems und viele Eltern werden mit Bescheiden und Beschlüssen mürbe gemacht. Die Entscheidung Förder-, Grund- und Mittelschule oder Gymnasium passiert in den seltensten Fällen so wie es im Schulgesetz steht.

Aus dem Leben…

Ein Blick auf unser Klassenfoto aus der 1. Klasse bringt mich jetzt nach 4 Jahren zum Grübeln. Da sehe ich 26 glücklich strahlende Kinder mit großen Zuckertüten und einem Schulranzen, die stolz drauf sind in die ortsansässige Grundschule eingeschult worden zu sein. Viele Kinder und Eltern kennen sich seit Jahren. Ich erinnere mich noch genau an die hoffnungsvollen Gespräche, die Elternabende im Schulvorbereitungsjahr im Kindergarten, die beruhigenden Worte der Pädagogen und die vielen, vielen Versprechungen. Wie bei der Wahl hätte ich mir hier schon die Taschen lieber zu nähen sollen.

Einschulung ist  (nur) eine jährlich wiederkehrende Routine!

Alle Kinder kamen aus den  5 umliegenden Kindergärten. Alle Kinder waren durch den sächsischen Bildungsplan (optimal) auf die Schule vorbereitet, hatten schon mal englisch oder musikalische Früherziehung genossen, plapperten wild und aufgeregt durcheinander und ließen stolze Eltern und Bekannte an der großen Schultreppe zurück. Bereits nach dem ersten halben Jahr forderte die Schule ihren Tribut. Nicht jeder konnte bzw. wollte sich so richtig anpassen: Einige inselbegabte Kinder langweilten sich offenkundig im Unterricht und entwickelten das Syndrom der chronischen Unordnung sowie des Störens und das Leistungsniveau der Klasse klafft weit auseinander.

Gleich machen statt individuell fördern

Die Pädagogen arbeiten am gleich machen, beruhigen die Eltern der Kinder und spielen auf Zeit. Zum Jahresende der 1. Klasse gibt es 3 Kinder, die spontan zur Anpassung an die Schule noch ein Jahr länger in der 1. Klasse bleiben. Der größte Teil der SchülerInnen pegelt sich dauerhaft im Mittelfeld ein. Die 3 bis 5 einsamen Spitzenreiter powern sich gegenseitig hoch. Am Ende der 2. Klasse steht fest, dass mehr als 6 SchülerInnen des eingeschulten Jahrgangs zukünftig eine Schule mit besonderen Förderbedarf besuchen. Die Klassenzahl von einst 26 sinkt nach unten. Diagnosen, wie Dyskalkulie, Adhs und Lese-Rechtschreibschwäche erreichen die Elternschaft. Es scheint plötzlich einfacher zu separieren als zu inkludieren. Vom Wir-Gefühl der Einschulung ist kaum noch was übrig.

Mitte der 3. Klasse sind die einst wissbegierigen SchülerInnen ausgebrannt. Schulfrust statt Schullust steht auf der Tagesordnung. Schule ist doof. Die tierische Vorfreude auf die Ferien beginnt nun schon am jeweiligen Ferienende. Der Notendurchschnitt der Klasse liegt sicher noch auf der allgemeinen schulischen Richterskala im grünen Bereich – motivierte SchülerInnen sehen jedoch anders aus.

Schulwechselzeit!

Der anstehende Schulwechsel führt bei vielen Eltern trotz nicht wohnortgebundener Auswahl an die nächstgelegene Mittelschule oder das zu Fuss erreichbare Gymnasium. Auswahl nach Neigungen und Konzeption findet kaum statt – außer es wird an eine Freie Schule gewechselt. Manche bekommen von allen 3 Wahlschulen eine Absage. Die Zuweisung erfolgt in diesen Fällen unter Berücksichtigung der Schülerzahlen oder/und wohnortnah – das sucht man sich eben aus, wie es passt – auf jeden Fall aber nicht nach den Profilen, die laut Bildungsempfehlung den Neigungen der SchülerInnen entsprechen sollen. An einigen Schulen werden die Plätze wirklich ausgelost.

Bei Zuweisung zu Schulen mit sonderpädagogischen Förderbedarf ist es genauso schwierig. Eltern sind und werden schlichtweg zu wenig und falsch informiert und irren zwischen Diagnose, Schulpsychologe und dem eigenen Bauchgefühl hin und her. „Tragen Sie doch mal Ihr Anliegen vor“ heißt das in der Amtssprache! …was im Kita-Segement unter dem Namen frühkindliche Bildung hoffnungsvoll begann, wird für viele Kinder und Eltern in den ersten vier Schuljahren zum Bildungsknick. Klar ist, nicht alle Kinder können im deutschen Schulsystem entsprechend ihrer Neigungen und Begabungen gefördert werden.

Die 3-Gliederung führt einfach dazu, dass an den entsprechenden Bildungsübergängen schlichtweg der Platz nicht ausreicht. Da können manche Gymnasien sich vor Anmeldungen nicht retten und andere werden fast gar nicht frequentiert. Während zu Beginn der Schulzeit das Kind zumindest noch im Mittelpunkt stand, wirken jetzt die Ohren der LehrerInnen, DirektorInnen und SachbearbeiterInnen wie zugenäht.

Die TAZ über Separation im deutschen Schulsystem

Ein Artikel in der Taz bringt hier nochmal eine andere Sicht der Dinge in den Inhalt. So gibt es auch außerhalb von Deutschland Menschen, die die Wirkung des dt. Schulsystem kritisieren. Gerade im Punkt der SchülerInnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf findet offenbar vermehrt eine Separation statt. Die eigentlich anstrebenswerte Integrative Beschulung bleibt gerade behinderten Kindern oft verwehrt. Fördern und fordern sagt man zwar und doch sieht es in der Praxis anders aus. Ganze 400000 SchülerInnen – also 85% – lernen an speziellen Schulen mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Die Unterteilung für körperlich oder geistig behinderte, taube, blinde sowie sogenannte lernbehinderte Kinder findet in den Förderschulen noch einmal statt.

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